Was hat Microsoft am 25. August angekündigt?
Microsoft hat Ende August das Modell der Release Waves für Dynamics 365, Power Platform und Dataverse beendet. Seit September 2026 erscheinen keine Release-Pläne mehr. Neue Funktionen werden stattdessen laufend auf der sogenannten AI at Work Roadmap veröffentlicht. Die bisherigen Release-Pläne bleiben als Nachschlagewerk stehen, der Release Planner wird am 15. November 2026 abgeschaltet. So steht es im Dynamics-365-Blog vom 25. August und auf den Release-Plan-Seiten von Microsoft Learn.
Auf den ersten Blick ist das eine Änderung der Kommunikation. Für viele Business-Central-Kunden ist es mehr, und zwar aus einem Grund, der in keiner Ankündigung steht.
Was bleibt gleich: kommen die Updates weiter wie bisher?
Ja. Business Central bekommt weiterhin zwei große Updates im Jahr, im April und im Oktober, jeweils meist zum ersten Arbeitstag des Monats. In allen anderen Monaten kommt ein kleineres Update mit Verbesserungen und regulatorischen Anpassungen. Nach einem großen Update haben Administratoren fünf Monate Zeit, den Termin für ihre Umgebung zu wählen, danach folgt ein Monat Kulanz. Diese Taktung beschreibt Microsoft Learn unverändert. Das Update 29.0 ist seit September in der öffentlichen Vorschau und kommt im Oktober.
Die Technik ändert sich also nicht. Wer weiter von zwei Release-Wellen im Jahr spricht, meint diese beiden großen Updates, und die bleiben. Was sich ändert, ist die Art, wie Sie erfahren, was kommt: nicht mehr gebündelt in einem Plan pro Halbjahr, sondern verteilt über eine laufend fortgeschriebene Übersicht.
Was fällt weg, und warum ist das mehr als eine Formalie?
In vielen Unternehmen war die Release Wave der heimliche Steuerungsrhythmus. Zweimal im Jahr las jemand den Plan, der Partner stellte die Neuerungen vor, und man entschied, was eingeführt wird. Beschlossen hat diesen Rhythmus nie jemand. Er war einfach da, weil Microsoft ihn vorgab.
Dieser Taktgeber fällt jetzt weg. Und das trifft auf eine Eigenschaft der Updates, die oft übersehen wird: Ein Teil der neuen Funktionen ist für die Anwender automatisch eingeschaltet. Microsoft kennzeichnet sie in den Plänen als „Users, automatically“ und empfiehlt ausdrücklich, dass Administratoren sie prüfen. Ohne festen Termin prüft das niemand mehr gebündelt. Neue Funktionen stehen dann im System, ohne dass jemand sie bewusst eingeführt, erklärt oder mit den Prozessen abgeglichen hat.
Die Version pflegt Microsoft. Den Stand Ihres Geschäfts im System pflegt niemand außer Ihnen.
Wer entscheidet jetzt, welche Funktion eingeschaltet wird?
Die ehrliche Antwort in vielen Häusern: Das ist nicht geregelt. Der Partner liefert Informationen, die IT spielt Updates ein, die Fachbereiche merken die Änderung im Alltag. Wer aber entscheidet, ob eine neue Funktion zum Prozess passt, ob sie geschult werden muss oder ob sie eine eigene Anpassung überflüssig macht, steht oft nirgends.
Genau diese Rolle braucht es jetzt, und zwar auf Kundenseite. Ein Owner, der einmal im Monat eine Stunde investiert und drei Fragen beantwortet: Was ist seit dem letzten Mal neu oder automatisch aktiv geworden? Welche Prozesse berührt das? Was davon schalten wir bewusst ein, schulen wir oder lassen wir aus? Das Ergebnis ist eine kurze Liste mit Entscheidungen, keine Präsentation. Wer mit eigenen Erweiterungen arbeitet, prüft dabei gleich, ob die Anpassungen die Cloud-Updates weiter mitmachen.
Warum ist aktueller Versionsstand nicht dasselbe wie ein Evergreen ERP?
Business Central in der Cloud ist technisch immer aktuell. Das ist Evergreen IT, und dafür sorgt Microsoft. Ein Evergreen ERP meint etwas anderes: dass das System mit dem Geschäft mitwächst, dass Prozesse, Datenbasis und Verantwortung Schritt halten. Den Unterschied zwischen Evergreen IT und Evergreen ERP hat das Ende der Release Waves noch einmal deutlicher gemacht. Die Version kommt jetzt noch leiser und in kleineren Schritten. Ob Ihr Geschäft im System aktuell bleibt, entscheidet sich an einer anderen Stelle.
Was sollte bis zum 15. November erledigt sein?
Drei Dinge lassen sich in wenigen Wochen klären. Erstens: Wer ist bei Ihnen der Owner für Änderungen im System, mit Namen und mit Zeit dafür? Zweitens: Welche Funktionen aus dem Oktober-Update werden automatisch aktiv, und welche davon berühren Ihre Kernprozesse? Drittens: Wo liest Ihr Team künftig nach, was kommt, und wer fasst es monatlich zusammen? Solange der Release Planner noch läuft, lohnt es sich, den Stand für das laufende Halbjahr einmal vollständig festzuhalten.
Wie wir Unternehmen dabei begleiten
Wir arbeiten seit über 25 Jahren mit Microsoft-ERP, heute mit Business Central als Heimat. In unseren Projekten ist die Frage, wer Änderungen im System steuert, kein Randthema, sondern Teil der Governance, die wir mit unseren Kunden aufsetzen. Der Rhythmus liegt dabei auf Ihrer Seite, wir helfen, ihn so schlank zu bauen, dass er im Alltag auch stattfindet. Wenn Sie wissen möchten, wie das bei Ihnen aussehen könnte, sprechen wir gern darüber, ohne Präsentation und ohne Angebot im ersten Schritt.
Häufige Fragen
Bekommt Business Central weiterhin Updates?
Ja. Zwei große Updates im April und Oktober, in den übrigen Monaten kleinere. Geändert hat sich die Ankündigung, nicht die Auslieferung.
Wo sehe ich künftig, was neu kommt?
Auf der AI at Work Roadmap von Microsoft und in den Artikeln zu jeder Version auf Microsoft Learn. Die alten Release-Pläne bleiben zum Nachschlagen, der Release Planner endet am 15. November 2026.
Brauchen wir dafür eine neue Rolle?
Keine neue Stelle, aber eine klare Zuständigkeit. Eine Person auf Ihrer Seite, die monatlich prüft, entscheidet und dokumentiert, reicht in den meisten Unternehmen aus.


