Senior-Beratungsgespräch zu Business Central und ERP bei DGP

Wer kümmert sich nach dem Go-live um die Weiterentwicklung des ERP?

Das Projekt endet, das System nicht. Wo diese Übergabe fehlt, altert die Einführung schneller als nötig.

Frank Maier·Zuletzt aktualisiert: 21.09.2026

Inhalt
Nach dem Go-Live ist davor

Wir klären, wer das System weiterentwickelt, bevor es stehen bleibt.

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Nach dem Go-live braucht das System drei benannte Rollen: einen fachlichen Eigentümer je Kernprozess, der entscheidet, was sich ändern darf, eine technische Betreuung für Updates und Erweiterungen, und ein kleines Gremium, das Änderungswünsche priorisiert. Ohne diese drei fällt die Weiterentwicklung auf die IT zurück, die fachlich nicht entscheiden kann, und das System bleibt auf dem Stand des Go-live stehen.

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Warum die Zeit nach dem Go-live entscheidet

Der Go-live ist der Moment, in dem das System anfängt zu leben. Anwender entdecken Abläufe, die im Test niemand bedacht hat, das Geschäft ändert sich, neue Anforderungen entstehen, manchmal dreht sich das Geschäftsmodell. Ein ERP, das diese Bewegung aufnimmt, bleibt nützlich. Eines, das einfriert, wird über die Jahre zu dem alten System, das man gerade abgelöst hat.

In der Praxis endet nach dem Go-live die Projektorganisation, und niemand tritt an ihre Stelle. Der Projektleiter kehrt in die Linie zurück, die externen Berater gehen, und Änderungswünsche landen als Tickets bei der IT. Dort werden sie technisch bewertet, aber fachlich entscheidet niemand.

Die Folge ist ein bekanntes Muster: Änderungen dauern lange, Fachbereiche bauen Behelfslösungen neben dem System, und nach drei Jahren arbeitet ein Teil des Unternehmens wieder in Tabellen. Das ist kein Softwareproblem, sondern eine Lücke im Betriebsmodell.

Die drei Rollen, die besetzt sein müssen

Die erste Rolle ist der fachliche Eigentümer je Kernprozess. Diese Person entscheidet, ob eine gewünschte Änderung dem Prozess dient, und sie trägt die Verantwortung für die Stammdaten in ihrem Bereich. Ohne sie wird jede Änderung zur Verhandlung zwischen Abteilungen.

Die zweite Rolle ist die technische Betreuung. Sie spielt Updates ein, testet, pflegt Erweiterungen und hält den Kontakt zum Partner. Das kann intern besetzt oder eingekauft sein. Wichtig ist, dass es eine benannte Zuständigkeit gibt und keine Sammelrolle neben anderen Aufgaben.

Die dritte Rolle ist ein kleines Gremium, das alle vier bis sechs Wochen zusammenkommt und Änderungswünsche priorisiert. Es braucht keine große Runde: die fachlichen Eigentümer, die technische Betreuung und eine Person, die im Zweifel entscheidet. Dieses Gremium ist die Fortsetzung des Lenkungsausschusses in klein.

Wie viel Kapazität realistisch ist

Eine belastbare Faustregel aus der Praxis: Planen Sie für die laufende Weiterentwicklung ein Budget in der Größenordnung eines kleinen einstelligen Prozentsatzes der Einführungskosten pro Jahr. Das deckt Updates, kleinere Erweiterungen und die Anpassung an geänderte Anforderungen.

Auf der internen Seite brauchen die fachlichen Eigentümer nicht viel Zeit, aber verlässliche Zeit. Ein halber Tag im Monat je Kernprozess reicht in ruhigen Phasen, vorausgesetzt, er findet wirklich statt. Die technische Betreuung hängt von der Zahl der Erweiterungen und Schnittstellen ab.

Wichtiger als die genaue Zahl ist, dass dieses Budget existiert und nicht jedes Mal einzeln beantragt werden muss. Wo jede Kleinigkeit einen Antrag braucht, unterbleibt die Pflege, und der Rückstand wächst still.

Woran Sie erkennen, dass die Nachsorge fehlt

Es gibt drei zuverlässige Anzeichen. Das erste sind neue Tabellen neben dem System. Wenn Fachbereiche anfangen, Daten außerhalb zu führen, hat das System aufgehört, ihre Arbeit abzubilden, und niemand hat es geändert.

Das zweite Anzeichen ist eine wachsende Liste offener Änderungswünsche ohne Priorisierung. Eine lange Liste ist kein Problem, eine unsortierte schon, denn sie bedeutet, dass niemand entscheidet.

Das dritte Anzeichen ist der Satz, das System könne das nicht. In den meisten Fällen kann es das, aber niemand hat es eingerichtet. Wenn dieser Satz häufiger fällt, fehlt nicht Funktionalität, sondern Zuständigkeit.

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Der Go-live ist kein Abschluss, sondern eine Übergabe. Wo sie ausbleibt, altert die Einführung schneller als nötig.

Frank Maier, Gründer von DGP

Häufige Fragen

KI-Funktionen nach dem Go-Live pflegen

Ein Buchhaltungsmodul rechnet heute wie vor fünf Jahren. Eine KI-Funktion nicht: Modelle, Oberflächen und Fähigkeiten ändern sich mit zwei Release-Wellen im Jahr, und ihr Verhalten hängt an Ihren Daten, die sich ebenfalls ändern. Der Zustand vom Go-Live-Tag ist eine Momentaufnahme. Ohne Betriebsroutine altert jede KI-Funktion in Monaten: Sie arbeitet weiter, nur niemand weiß mehr, wie gut.

Die Routine hat vier Elemente:

  • Ein Eigentümer je Funktion, und zwar im Fachbereich, weil er erkennt, ob Ergebnisse fachlich stimmen. Eine Belegerkennung im Einkauf gehört dem Einkauf, nicht dem Administrator.
  • Ein Prüftermin je Release-Welle, zweimal im Jahr im Kalender, mit Microsofts Ankündigungsliste als Agenda.
  • Ein Satz Testfälle: für jeden automatisierten Vorgang drei bis fünf typische Fälle plus die bekannten Grenzfälle, nach jedem Release durchspielen, Ergebnis notieren.
  • Eine Stichproben-Quote im Alltag: Ein fester kleiner Anteil der Agent-Ergebnisse wird laufend geprüft. Steigt die Fehlerquote, ist das das Frühwarnsignal, lange bevor jemand klagt.

Für einen Mittelständler mit einer Handvoll aktiver KI-Funktionen liegt die Routine bei wenigen Personentagen im Jahr, weniger als ein einziger unbemerkt fehlerhafter Monat an Aufräumarbeit kostet. Verschlechtert ein Release eine Funktion, zeigt es der Testfall-Durchlauf, und es gibt drei geordnete Antworten: Einstellungen nachjustieren, die Funktion vorübergehend enger führen, oder den Befund an Microsoft melden. Dauerhaft aussetzen lassen sich die Updates nicht, und genau daraus kommt der Wert. International gehört die KI-Prüfung in dieselbe Release-Routine wie das Global Template, sonst testet jedes Land für sich oder keines.

Kurz nachgefragt

Wer ist nach dem Go-live für das ERP zuständig?

Drei Rollen: ein fachlicher Eigentümer je Kernprozess, der entscheidet, was sich ändern darf, eine benannte technische Betreuung für Updates und Erweiterungen, und ein kleines Gremium, das Änderungswünsche alle vier bis sechs Wochen priorisiert.

Wie viel Budget braucht die Weiterentwicklung eines ERP pro Jahr?

Als Orientierung ein kleiner einstelliger Prozentsatz der Einführungskosten pro Jahr für Updates, kleinere Erweiterungen und Anpassungen an geänderte Anforderungen. Wichtiger als die genaue Zahl ist, dass das Budget fest existiert.

Woran erkennt man, dass die Betreuung nach dem Go-live fehlt?

An drei Anzeichen: neue Tabellen neben dem System, eine wachsende unsortierte Liste offener Änderungswünsche, und der häufige Satz, das System könne das nicht. Meist kann es das, aber niemand hat es eingerichtet.

Der größere Rahmen dieser Frage: Nie wieder von vorn: wie ein ERP mit dem Geschäft mitwächst.

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