Senior-Beratungsgespräch zu Business Central und ERP bei DGP

Wissen/Antwort

Senior-geführte Antwort · Vor dem Projekt

Worauf kommt es bei der ERP-Auswahl im Landhandel an?

Im Landhandel steht der Preis bei der Anlieferung noch nicht fest, ein großer Teil des Geschäfts läuft über Kontrakte, und die Waage ist der eigentliche Beleganfang.

Frank Maier·Zuletzt aktualisiert: 23.09.2026

Inhalt

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Im Landhandel entscheidet, ob das System drei Dinge kann, die es im normalen Handel nicht gibt. Erstens: Der Preis steht bei der Anlieferung noch nicht fest, weil Feuchte, Besatz und weitere Laborwerte über Abzüge und Zuschläge entscheiden. Zweitens: Ein erheblicher Teil des Geschäfts läuft über Kontrakte, die Monate vor der Lieferung geschlossen werden, und daraus entsteht eine offene Position, die täglich stimmen muss. Drittens: Die Waage ist der Beleganfang, nicht die Bestellung. Wer diese drei Punkte in der Auswahl nicht zum Prüfstein macht, bekommt ein System, in dem die Buchhaltung stimmt und das Geschäft daneben in Excel läuft.

Welche Frage steht vor allen anderen?

Wie führen Sie heute Ihre offene Position, und wie aktuell ist sie? Also: Wie viel ist gekauft, wie viel verkauft, was steht noch im Silo, und was davon ist bereits einem Kontrakt zugeordnet?

Diese eine Frage trennt Anbieter schneller als jede Funktionsliste. Wer im Kontraktgeschäft nicht täglich weiß, wo er steht, trägt ein Preisrisiko, das kein System nachträglich auflöst. Und wer die Antwort heute aus einer gepflegten Tabelle zieht, sollte genau diese Tabelle in die Auswahlgespräche mitnehmen: Sie ist die präziseste Anforderungsbeschreibung, die Sie haben.

Woran die Auswahl im Landhandel am häufigsten scheitert

  • Die Waage hängt nicht am System. Brutto, Tara, Netto, Probenahme und Partie entstehen in wenigen Minuten an der Anlieferung. Läuft die Waage separat, wird alles zweimal erfasst, und die Abweichungen fallen erst in der Abrechnung auf.
  • Qualitätsabhängige Abrechnung wird nachgebaut. Feuchteabzug, Besatz, Trocknungskosten, Zuschläge für Proteingehalt: Das ist Rechenlogik mit Wirkung auf Bewertung und Buchhaltung. Als Excel neben dem System funktioniert es genau bis zur ersten Prüfung.
  • Die Saison wird unterschätzt. In der Ernte kommt ein Vielfaches des normalen Belegvolumens in wenigen Wochen herein, oft rund um die Uhr. Ein System, das im Februar gut aussieht, muss im August unter Last bedienbar bleiben, auch am Waagenterminal.
  • Vermischung im Lager fehlt im Modell. Chargen zu kennen reicht nicht. Mehrere Anlieferungen werden zu einer Silopartie, und die Rückverfolgbarkeit muss die Anteile abbilden. Wer das erst beim Audit merkt, hat ein Problem mit der Zertifizierung, nicht mit der Software.

Welche Kriterien tragen wirklich?

Kontrakte als eigene Einheit, nicht als Auftrag mit spätem Datum. Ein Kontrakt hat eine Menge, eine Toleranz, einen Zeitraum, einen Preis oder eine Preisformel und Teillieferungen. Daraus muss sich die offene Position jederzeit ableiten lassen, auf Knopfdruck und nicht per Auswertung über Nacht.

Qualitätswerte als Teil des Belegs. Laborwerte gehören an die Partie und wirken auf die Abrechnung, ohne dass jemand nachrechnet. Prüfen Sie in der Demo einen echten Fall mit Abzug und Zuschlag, vom Wiegeschein bis zur Gutschrift.

Rückverfolgbarkeit mit Vermischung. Von der Anlieferung über die Silopartie bis zur Auslieferung, in beide Richtungen und in Minuten abrufbar. Das ist die Anforderung, an der sich Standard und Branchenlösung wirklich unterscheiden.

Die Nebengeschäfte nicht vergessen. Betriebsmittel, Saatgut, Dünger und Pflanzenschutz bringen Gefahrstoff- und Dokumentationspflichten mit, dazu kommen die steuerlichen Besonderheiten im Umgang mit pauschalierenden Landwirten. Diese Themen sind selten der Grund für eine Entscheidung, aber häufig der Grund für Nacharbeit.

Das allgemeine Vorgehen mit Kriterien und Checkliste: ERP-Auswahl: Kriterien, Vorgehen und Checkliste

Branchenlösung oder Standard mit Ergänzung?

Die Trennlinie verläuft bei der qualitätsabhängigen Abrechnung. Wer überwiegend Betriebsmittel handelt, also Ware mit festem Preis und fester Menge, kommt mit einem Standardsystem und einer schlanken Ergänzung weit. Sobald Erfassung, Kontrakte und Laborwerte den Umsatz tragen, greift die Logik so tief in Bewertung und Buchhaltung, dass eine spezialisierte Lösung realistischer wird.

Die nützliche Frage in der Auswahl ist deshalb nicht „Branchenlösung ja oder nein“, sondern: Welcher Anteil unseres Umsatzes hängt an Qualitätswerten? Liegt er bei einem Fünftel, ist die Antwort eine andere als bei zwei Dritteln.

Was in beiden Fällen gilt: Die Datenbasis entscheidet mehr als das Produkt. Artikelstämme mit uneinheitlichen Einheiten, Lieferantenstämme ohne saubere Betriebsnummern und Silodaten, die nur der Lagerist kennt, wandern beim Wechsel mit. Diese Arbeit fällt vor dem Projekt an oder teurer während des Projekts.

Warum das so oft unterschätzt wird: Warum scheitert Automatisierung an der Datenqualität?

Fragen Sie einen Anbieter, wie er Ihre offene Position führt. Die Antwort sagt Ihnen mehr als jede Funktionsliste.

Frank Maier, Gründer von DGP

Häufige Fragen

Kurz nachgefragt

Was macht die ERP-Auswahl im Landhandel besonders?

Drei Dinge, die es im normalen Handel nicht gibt: der Preis steht bei der Anlieferung noch nicht fest, weil er von Laborwerten abhängt; ein großer Teil des Geschäfts läuft über Kontrakte, die Monate vor der Lieferung geschlossen werden; und die Waage ist der eigentliche Beleganfang, nicht die Bestellung. Ein System, das diese drei Punkte nicht kennt, wird im Landhandel zur Nebenbuchhaltung.

Warum ist die Waage so wichtig für die Systemauswahl?

Weil bei der Anlieferung in wenigen Minuten alles Wesentliche entsteht: Brutto, Tara, Netto, Probenahme, Feuchte, Besatz, Partie und Lagerort. Läuft die Waage nicht im System, wird all das zweimal erfasst, einmal am Waagenrechner und einmal im ERP. Genau dort entstehen die Abweichungen, die später in der Abrechnung auffallen.

Wie wichtig ist die Rückverfolgbarkeit?

Sie ist nicht verhandelbar. Futtermittel und Lebensmittelrohstoffe verlangen eine lückenlose Partienachverfolgung, und Zertifizierungen wie QS oder GMP+ werden auditiert. Entscheidend ist nicht, ob ein System Chargen kennt, sondern ob es Vermischung im Silo abbildet, also mehrere Anlieferungen in einer Partie mit nachvollziehbaren Anteilen.

Reicht ein Standard-ERP mit Ergänzung?

Für den reinen Betriebsmittelhandel oft ja. Sobald Erfassung, Kontrakte und qualitätsabhängige Abrechnung dazukommen, wird eine spezialisierte Lösung realistischer, weil diese Logik tief in Bewertung und Buchhaltung greift. Die brauchbare Frage lautet: welcher Teil unseres Umsatzes hängt an Qualitätswerten, und welcher ist normaler Handel?

Was sollten wir vor dem ersten Anbietergespräch klären?

Wie Sie heute Ihre offene Position führen, wer sie sieht und wie aktuell sie ist. Wer im Kontraktgeschäft nicht täglich weiß, wie viel gekauft und wie viel verkauft ist, trägt ein Preisrisiko, das kein System nachträglich auflöst. Diese Frage trennt Anbieter schneller als jede Funktionsliste.

Der größere Rahmen dieser Frage: Welches ERP-System ist das richtige für uns?

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