
Wissen/Antwort
Senior-geführte Antwort · Kosten & Budget
Wie teuer sind Anpassungen am ERP-Standard auf Dauer?
Der Preis einer Anpassung steht im Angebot. Ihre Kosten entstehen in den Jahren danach.
Inhalt
Ihre Frage im Detail?
Ein senior-geführtes Gespräch bringt Ihre Lage auf den Punkt.
Passende Leistung
Eine Anpassung kostet einmalig ihre Entwicklung und dauerhaft ihre Pflege. Die laufenden Kosten entstehen bei jedem Update, bei jeder Prozessänderung und bei jeder Fehlersuche, in der die Anpassung mitgeprüft werden muss. Als Orientierung: Rechnen Sie pro Jahr mit einem spürbaren Anteil der ursprünglichen Entwicklungskosten für Pflege und Regressionstests. Über eine Systemlaufzeit summiert sich das auf ein Mehrfaches des Angebotspreises.
Was bei Cloud-Updates mit Anpassungen passiert: Anpassungen und Cloud-Updates
Warum ein System mitwachsen sollte: Nie wieder von vorn
Die drei Kostenarten einer Anpassung
Die erste Kostenart ist die Entwicklung. Sie steht im Angebot, ist verhandelbar und wird deshalb am intensivsten diskutiert, obwohl sie über die Jahre den kleineren Teil ausmacht.
Die zweite ist die Pflege. Business Central bekommt zweimal jährlich ein größeres Update, dazu laufende Korrekturen. Jede Anpassung muss dabei mitgeprüft werden, und gelegentlich muss sie angepasst werden, weil sich die Grundlage im Standard verändert hat. Dieser Aufwand fällt an, solange die Anpassung existiert, unabhängig davon, ob sie genutzt wird.
Die dritte Kostenart ist die verdeckte: Anpassungen verlangsamen alles, was danach kommt. Jede spätere Erweiterung muss auf sie Rücksicht nehmen, jede Fehlersuche sie mit betrachten, und jeder neue Mitarbeitende muss sie lernen, weil sie in keiner Standarddokumentation steht. Diese Kosten stehen nirgends und sind in Summe oft die größten.
Warum Anpassungen sich vermehren
Anpassungen kommen selten einzeln. Das hat einen strukturellen Grund: Wer einen Prozess vom Standard löst, löst damit auch die angrenzenden Prozesse ein Stück weit. Eine besondere Preisfindung wirkt in Angebot, Auftrag, Lieferschein und Rechnung. Was als eine Anpassung beginnt, berührt am Ende vier Stellen.
Dazu kommt ein psychologischer Effekt. Sobald im Projekt die erste Ausnahme genehmigt ist, sinkt die Hürde für die zweite. Die Begründung ist jedes Mal nachvollziehbar, und in Summe entsteht ein System, das niemand mehr aktualisieren möchte.
Die Gegenmaßnahme ist keine Verbotsregel, sondern ein Verfahren. Jede Anpassung bekommt einen benannten Verantwortlichen, eine Begründung, warum der Standard nicht reicht, und eine Schätzung der jährlichen Folgekosten. Allein die Pflicht, die Folgekosten zu nennen, reduziert die Zahl der Anträge spürbar.
Wann eine Anpassung trotzdem richtig ist
Es gibt gute Gründe für Anpassungen, und sie zu vermeiden ist kein Selbstzweck. Der klarste Grund ist Differenzierung: Wenn ein Prozess der Grund ist, warum Kunden bei Ihnen kaufen, dann gehört er nicht in den Standard gepresst. Ein Konfigurator für Produkte, die es so bei niemandem gibt, ist eine sinnvolle Investition.
Der zweite gute Grund sind gesetzliche oder vertragliche Vorgaben, die der Standard nicht abdeckt, etwa Kundenanforderungen in der Lieferkette. Hier ist die Anpassung keine Wahl, sondern Voraussetzung für das Geschäft.
Entscheidend ist die Bauweise. Eine Anpassung, die sauber neben dem Standard steht und über definierte Schnittstellen andockt, überlebt Updates deutlich besser als eine, die in den Standard hineingreift. Der Mehraufwand beim Bauen zahlt sich ab dem zweiten Update aus.
Wie Sie Altlasten wieder loswerden
Die meisten Unternehmen tragen Anpassungen mit, die niemand mehr braucht. Sie stammen aus einer Zeit, in der der Standard weniger konnte, oder aus einem Prozess, den es nicht mehr gibt. Jede davon kostet weiter Pflege.
Ein Weg, der sich bewährt hat, ist eine jährliche Durchsicht mit drei Fragen je Anpassung: Wird sie genutzt, und wie oft? Deckt der Standard sie inzwischen ab? Was würde passieren, wenn wir sie abschalten? Die Nutzung lässt sich messen, die zweite Frage beantwortet ein Blick in die Release-Notes, und die dritte klärt ein Gespräch mit dem Fachbereich.
Erfahrungsgemäß lässt sich bei einer ersten solchen Durchsicht ein nennenswerter Teil der Anpassungen abschalten oder durch Standardfunktionen ersetzen. Das senkt nicht nur die Pflegekosten, es beschleunigt jedes künftige Update.
“
Der Preis einer Anpassung steht im Angebot. Ihre Kosten entstehen in den Jahren danach.
Frank Maier, Gründer von DGP
Häufige Fragen
Kurz nachgefragt
Was kostet eine ERP-Anpassung langfristig?
Neben der einmaligen Entwicklung fällt dauerhaft Pflege an: Prüfung bei jedem Update, Nachziehen bei Änderungen im Standard und Mitbetrachtung bei jeder Fehlersuche. Rechnen Sie jährlich mit einem spürbaren Anteil der ursprünglichen Entwicklungskosten.
Wann ist eine Anpassung am ERP-Standard gerechtfertigt?
Wenn der Prozess ein Grund ist, warum Kunden bei Ihnen kaufen, oder wenn gesetzliche und vertragliche Vorgaben ihn erzwingen. Entscheidend ist dann die Bauweise: sauber neben dem Standard statt in ihn hineingreifend.
Wie werden wir alte Anpassungen wieder los?
Mit einer jährlichen Durchsicht und drei Fragen je Anpassung: Wird sie genutzt? Deckt der Standard sie inzwischen ab? Was passiert bei Abschaltung? Bei einer ersten Durchsicht lässt sich meist ein nennenswerter Teil ersetzen oder abschalten.
Der größere Rahmen dieser Frage: Was kostet eine Business-Central-Einführung wirklich?.
Passend dazu
Verwandte Fragen
Wissen
Was passiert mit unseren Anpassungen bei jedem Cloud-Update?
Wie Updates mit Erweiterungen umgehen und was Sie vorbereiten müssen.
21.09.2026
Lesen →Wissen
Nie wieder von vorn: wie ein ERP mit dem Geschäft mitwächst
Warum Systeme veralten, obwohl sie technisch aktuell sind.
03.08.2026
Lesen →Wissen
Business Central für produzierende Unternehmen: wo der Standard trägt und wo er reißt
Wo der Standard genügt und wo eine Ergänzung wirklich nötig ist.
03.08.2026
Lesen →Wo steht Ihr Projekt wirklich?
Sprechen Sie mit einem Senior, nicht mit einem Vertrieb.