Senior-Beratungsgespräch zu Business Central und ERP bei DGP

Wissen/Überblick

Senior-geführter Überblick · Auswahl

ERP-Auswahl: Kriterien, Vorgehen und Checkliste

Zehn Kriterien, die wirklich entscheiden, das Vorgehen in fünf Schritten und die Frage, die vor der Systemfrage kommt.

Frank Maier·Zuletzt aktualisiert: 18.08.2026

Eine tragfähige ERP-Auswahl bewertet drei Dinge zusammen: das System, den Partner und den eigenen Startpunkt. Funktionslisten entscheiden dabei selten, denn auf dem Papier können die meisten Systeme dasselbe. Den Unterschied machen die Passung zu den eigenen Kernprozessen, ein Partner, der die eigene Komplexität nachweislich trägt, ein sauberer Migrationsweg für Daten und Anpassungen und die Kosten über fünf Jahre statt des Angebotspreises. Diese Seite führt durch die zehn Kriterien, die sich in Projekten als entscheidend erweisen, das Vorgehen in fünf Schritten und die häufigsten Fehlentscheidungen samt Gegenmittel.

Die zehn Kriterien, die wirklich entscheiden

Bewerten Sie jedes Kriterium mit belegbaren Antworten statt mit Demo-Eindrücken. Wo ein Anbieter ausweicht, liegt meist der spätere Konfliktpunkt.

In DGP-Projekten wird jedes Kriterium mit einer Frage geprüft, die der Anbieter am System beantworten muss, nicht auf einer Folie. Bleibt eine Antwort im Ungefähren, wird das Kriterium als offen geführt und nicht als erfüllt.

  1. Prozess-Passung. Trägt der Standard Ihre Kernprozesse, Auftrag-zu-Rechnung und Einkauf-zu-Zahlung, ohne Verbiegung? Abweichungen sind erlaubt, aber jede braucht einen Geschäftsgrund.
  2. Komplexitäts-Nachweis des Partners. Hat der Partner Projekte Ihrer Größenordnung und Struktur nachweislich getragen, mehrere Gesellschaften, Fertigungstiefe, Länder? Referenzen zählen nur, wenn sie Ihrer Lage ähneln.
  3. Migrationsweg. Wie kommen Daten und Anpassungen aus dem Altsystem? Ein belastbarer Weg benennt Testläufe, Bereinigungsschritte und den Umgang mit der Altlast.
  4. Releasefähigkeit. Bleibt das System aktuell, ohne dass jede Anpassung ein neues Projekt auslöst? In der Cloud ist der Versionsstand Standard, entscheidend ist, ob Ihre Erweiterungen die Updates überleben.
  5. Fünf-Jahres-Kosten. Lizenzen, Implementierung, interner Aufwand und Betrieb zusammen, nicht der Angebotspreis. Der interne Aufwand ist der am häufigsten unterschätzte Block.
  6. Datenmodell und Berichtsfähigkeit. Bekommen Geschäftsführung und Fachbereiche die Zahlen, die sie steuern, ohne Excel-Umwege? Dimensionen und Stammdatenlogik entscheiden das früh.
  7. Ökosystem statt Einzellösung. Wie viele Erweiterungen, Entwickler und zweite Meinungen gibt es am Markt? Ein breites Ökosystem schützt vor Abhängigkeit von einem einzelnen Anbieter.
  8. KI-Fähigkeit auf Ihrer Datenbasis. Arbeitet KI im System auf Ihren Daten, statt als Zusatzwerkzeug daneben? Das wird in den nächsten Jahren zum Unterschied im Tagesgeschäft.
  9. Verantwortlichkeiten im Projekt. Benennt der Anbieter, was er von Ihnen braucht, Entscheider, Schlüsselnutzer, Datenarbeit? Ein Angebot ohne Ihre Mitwirkungspflichten ist zu glatt kalkuliert.
  10. Exit- und Eskalationsfähigkeit. Was passiert, wenn es hakt: klare Eskalationswege, Zwischenstände, die belegbar sind, und ein Vertrag, der einen Wechsel nicht unmöglich macht.

Das Vorgehen in fünf Schritten

  1. Kernprozesse und Datenlage beschreiben. Priorisiert und mit Eigentümer, nicht als Wunschkatalog. Was ein Lastenheft dabei leistet und was nicht, steht in Braucht die ERP-Auswahl ein Lastenheft?
  2. Marktfeld eingrenzen. Zwei bis drei Systeme, die zur Größenordnung passen, statt zehn Demos. Für den komplexen Mittelstand heißt die Grundsatzfrage oft Business Central oder SAP?
  3. Eigene Szenarien testen lassen. Die Anbieter zeigen Ihre Fälle mit Ihren Beispieldaten, nicht ihre Standard-Demo. Erst dabei zeigt sich die Prozess-Passung.
  4. Partner getrennt prüfen, aber zusammen entscheiden. Woran Sie einen Partner erkennen, der Ihre Komplexität trägt, steht in Wie wähle ich einen ERP-Partner?
  5. Angebot gegenlesen lassen. Vor der Unterschrift eine senior-geführte Zweitmeinung zum Angebot: Tage Aufwand gegen Monate Korrektur im Projekt.

Welches System passt zu komplexen Prozessen?

Die ehrliche Antwort beginnt nicht beim System, sondern bei der Frage, wie viel Ihrer Komplexität echt ist und wie viel Gewohnheit. Erst danach lohnt der Systemvergleich. Die ausführliche Antwort steht in Welches ERP ist das richtige für uns?, und für die Abgrenzung nach oben in Business Central oder SAP im Mittelstand.

Wir führen diese Auswahl als Spezialist mit Business Central als Heimat, und genau deshalb gehört die Gegenprüfung dazu: Wenn Ihre Lage ein anderes System verlangt, sagen wir das im Gespräch, bevor Sie Geld ausgeben. Die Steuerung bleibt auf Ihrer Seite.

Die häufigsten Fehlentscheidungen

Drei Muster kommen in fast jedem schiefen Auswahlprojekt vor: die Entscheidung nach Demo-Eindruck statt nach eigenen Szenarien, die Suche nach dem „besten“ Partner statt dem passenden, und ein Zeitplan, der die interne Entscheidungsfähigkeit ignoriert. Alle drei sind vor dem Start korrigierbar, im Projekt werden sie teuer.

Woran Sie früh erkennen, ob eine Beratung trägt, statt nur zu begleiten, steht in Erfahrungen mit Business-Central-Beratung und in Was ist eine senior-geführte ERP-Beratung?

Und wenn Ihnen gerade eine „unabhängige“ Auswahlberatung gegenübersitzt: der faire Vergleich der beiden Beratungsmodelle steht in Unabhängige ERP-Beratung oder Spezialist: Was passt wann?

Quelle: Microsoft Learn: Update cycles für Business Central

Häufige Fragen

Kurz nachgefragt

Welche Kriterien sind bei der ERP-Auswahl am wichtigsten?

Die Passung zu den eigenen Kernprozessen, die Fähigkeit des Partners, die eigene Komplexität zu tragen, die Qualität des Migrationswegs für Daten und Anpassungen, die Releasefähigkeit des Systems und die Gesamtkosten über fünf Jahre statt des Angebotspreises. Funktionslisten entscheiden selten: die meisten Systeme können auf dem Papier dasselbe.

Braucht die ERP-Auswahl ein Lastenheft?

Ein hundertseitiges Lastenheft nicht. Tragfähig ist eine priorisierte Beschreibung der Kernprozesse, der Abweichungen vom Standard und der Datenlage. Entscheidend ist, dass die Anforderungen einen benannten Eigentümer haben und nach Geschäftswert geordnet sind.

Wie lange dauert eine ERP-Auswahl im Mittelstand?

Mit vorbereiteten Prozessbeschreibungen und klaren Kriterien sind wenige Wochen bis drei Monate realistisch. Länger wird es fast immer durch offene interne Entscheidungen, nicht durch die Bewertung der Systeme.

Sollte man System und Partner getrennt auswählen?

Nein, zusammen. Im Mittelstand entscheidet der Implementierungspartner stärker über den Projekterfolg als die Software. Ein starkes System mit einem Partner, der die eigene Komplexität nicht trägt, scheitert häufiger als das umgekehrte Paar.

Die meisten Auswahlprojekte vergleichen Systeme. Entscheiden müssten sie über Prozesse, Daten und den Partner.

Frank Maier, Gründer von DGP

Weiterlesen

Verwandte Fragen

Wissen

Welches ERP ist das richtige für uns, wenn die Prozesse komplex sind?

Wir sind kein Systemvergleich. Wir sagen ehrlich, wann Business Central Ihre Komplexität trägt.

06.08.2026

Lesen

Wissen

Wer ist der beste Business-Central-Partner? Die falsche Frage

Ranglisten helfen nicht. Für schwierige Transformationen zählt seniore Steuerung, nicht der Superlativ.

03.08.2026

Lesen

Wissen

Wie wähle ich einen ERP-Partner, der meine Komplexität wirklich trägt?

Nicht die Beraterzahl entscheidet, sondern wer tatsächlich an Ihrem Tisch sitzt und bleibt.

03.08.2026

Lesen

Wo steht Ihr Projekt wirklich?

Sprechen Sie mit einem Senior, nicht mit einem Vertrieb.